IgB-Frühjahrstreffen — warum sollte man dabei sein?

Ja, war­um soll­te man dabei sein, wenn sich Ende April wie­der eini­ge Dut­zend Mit­glie­der der Inter­es­sen­ge­mein­schaft Bau­ern­haus (IgB) zum jähr­li­chen Früh­jahrs­tref­fen — dies­mal im ober­pfäl­zi­schen Frei­land­mu­se­um in Neu­s­ath-Per­schen — ein­fin­den? Was nimmt man mit, was kann man ein­brin­gen?

Die­ser klei­ne Arti­kel beschäf­tigt sich damit, wes­halb die IgB-­Tref­fen wich­ti­ger sind, als man ver­mu­ten könn­te. Er reisst eini­ge grund­sätz­li­che The­men an, die dort debat­tiert wer­den soll­ten. Ein stär­ke­res Wer­ben um Mit­glie­der und ein gut struk­tu­rier­ter Aus­bau der Kon­takt­stel­len wer­den eben­so beleuch­tet wie ein orga­ni­sa­to­ri­scher Aspekt der Tref­fen.

Erinnerungen

Im Sep­tem­ber 2015 fand das Herbst­tref­fen der IG Bau­ern­haus in Zei­litz­heim (Unter­fran­ken) statt. Auf einer der Exkur­sio­nen sorg­te ein wun­der­schö­ner, alter Hof für Auf­se­hen — vor allem des­halb, weil der alte Bau­er ihn ein­fach ver­fal­len liess.

Wie lan­ge wird sich die­ser Dach­stuhl wohl noch hal­ten kön­nen?

Das Bild des abge­rutsch­ten Dach­stuhls hat sich mir genau­so ein­ge­brannt wie der starr­köp­fi­ge, pol­tern­de Mann, dem die­ser Hof gehör­te. Natür­lich konn­te ihn auch ein wort­ge­wal­ti­ger Wolf­gang Ries­ner nicht über­zeu­gen, so etwas wie Stolz auf das bäu­er­li­che Anwe­sen zu ent­wi­ckeln — aber manch­mal ist ein klei­nes Sand­korn bekannt­lich der Aus­lö­ser einer gros­sen Lawi­ne. Und Wolf­gangs Äus­se­run­gen waren wahr­lich mehr als ein Sand­korn. Es war auf jeden Fall gut, dass er und die klei­ne Grup­pe dort Flag­ge gezeigt haben.

Es sind sol­che Erin­ne­run­gen, die mich seit Herbst 2014 moti­vie­ren, die IgB-Tref­fen zu besu­chen. Da lau­fe ich mit ande­ren Men­schen, die teils immenses Wis­sen haben, durch einen mir frem­den Ort, bekom­me neue Ein­sich­ten ver­mit­telt und erwei­te­re mei­nen Hori­zont. Ja, es ist manch­mal ernüch­ternd zu sehen, wie schlecht es um den Erhalt alter Bau­wer­ke auch in ande­ren Gegen­den unse­res Lan­des bestellt ist, aber es gibt zum Glück auch Erfolgs­ge­schich­ten. Die kön­nen wir genies­sen — abar­bei­ten müs­sen wir uns aber an den gefähr­de­ten Bau­ten.

Warum alte Häuser?

Die­ses Haus war mal dem Abriss geweiht.

Ist die Sache der IgB aber über­haupt wich­tig? Ist es erstre­bens­wert, alte Häu­ser zu lie­ben, wie es das Mot­to der IgB vor­gibt? Es wür­de den Rah­men die­ses klei­nen Arti­kels spren­gen, hier auf all die Aspek­te ein­zu­ge­hen, die bele­gen, war­um der Erhalt alter Bau­ten ein wich­ti­ges The­ma für eine Gesell­schaft ist — und wel­che Rol­le die IgB hier­bei spie­len kann. Ich möch­te mich des­halb auf drei Punk­te beschrän­ken:

1. Woh­nen und Leben auf dem Land
Ist das Woh­nen und Leben auf dem Land, wo sich vie­le alte und gefähr­de­te Häu­ser befin­den, nicht als Trend ins Gespräch zu brin­gen in einer Zeit, in der die städ­ti­schen Mie­ten explo­die­ren? Dage­gen ist es immer noch recht güns­tig, sich auf dem Land eine alte Immo­bi­lie zu kau­fen. Hier haben wir ein The­ma, das den Geld­beu­tel anspricht: Das ist kein schlech­ter Ansatz, wie ich fin­de. Was wir aber brau­chen, das ist die Bera­tung vor Ort, die dem Inter­es­sen­ten die Angst nimmt vor einem befürch­te­ten finan­zi­el­len Aben­teu­er der Instand­set­zung. Die IgB kann heu­te hier­zu zumin­dest teil­wei­se durch die Aus­sen- und Kon­takt­stel­len lie­fern. Es bedarf aber einer offen­si­ve­ren Aus­rich­tung, die etwas muti­ger ist, als es momen­tan den Ein­druck macht. Wir müs­sen den Aus­bau der Kon­takt­stel­len vor­an­trei­ben und eine funk­tio­nie­ren­de Struk­tur auf­bau­en.

2. Lebens­qua­li­tät in alten Häu­sern
Kön­nen wir den Begriff des „gesun­den Woh­nens“ in alter Bau­sub­stanz nicht stär­ker beto­nen? Die Neu­bau­ten der Nach­kriegs­zeit mit Form­alde­hyd, aus­düns­ten­den Kle­bern, Asbest und vie­len ande­ren zwei­fel­haf­ten Bau­stof­fen sind eigent­lich eine Steil­vor­la­ge für unser Anlie­gen. Wohn­qua­li­tät im Alt­bau auf dem Lan­de ergänzt sich wun­der­bar mit dem nicht zu unter­schät­zen­den Wunsch nach indi­vi­du­el­lem Woh­nen. Die hin­ter die­sem Wunsch ste­hen­de Ziel­grup­pe schät­ze ich als genau die ein, die der IgB neu­en Schwung brin­gen könn­te.

3. Zu schwe­re Kost?
Der Begriff „Geschichts­be­wusst­sein“ wird man­che in unse­rer schnell­le­bi­gen Zeit ver­schre­cken. Vie­le wol­len wei­ter zap­pen, wenn nicht stän­dig Sen­sa­tio­nen ange­bo­ten wer­den. Wenn wir das erken­nen, dann wäre es viel­leicht kei­ne schlech­te Idee, die Sen­sa­ti­on, die in einem alten Haus lie­gen kann, her­vor­zu­he­ben? Nein, das ist kei­ne ein­fa­che Auf­ga­be, aber unser Anlie­gen es ist Wert, hier­über nicht nur nach­zu­den­ken, son­dern tätig zu wer­den. Wir in der IgB kön­nen das, mei­ne ich. Wir tun es aber zu wenig.

Was tun?

Unser Anlie­gen ist wich­tig. Unser Anlie­gen hat eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Kom­po­nen­te. Doch irgend­wie geht die Ent­wick­lung trotz­dem in die fal­sche Rich­tung:

Im Bereich der Denk­mal­pfle­ge wer­den Mit­tel gekürzt. Eine aus­rei­chen­de Vor-Ort-Prä­senz der Hüter über Denk­ma­le ist des­halb nicht gege­ben. Erhal­tens­wer­te Bau­sub­stanz wird so nur zu oft ver­schan­delt oder gar kom­plett ver­nich­tet.

  • Manch­mal beschleicht mich auch das Gefühl, dass Leucht­turm­pro­jek­te im Mit­tel­punkt ste­hen, das alte Bau­ern­haus aber unbe­ach­tet bleibt, ja viel­leicht sogar dem Pres­ti­ge­pro­jekt geop­fert wird.
  • Es ist eine Bin­sen­weis­heit, wenn ich fest­stel­le: Es Bedarf ohne Zwei­fel noch viel Arbeit, um etwas zu ändern im Bewusst­sein vie­ler Men­schen — um dann irgend­wann eine Renais­sance für unse­re alten Häu­ser zu erle­ben. Aber viel­leicht ist es momen­tan ein­fach die fal­sche Zeit? Wer soll das machen — und wann?

Wir erle­ben die­se Läh­mung ja nicht nur im Bereich des Erhalts alter Bau­sub­stanz. Nur all­zu oft ste­hen wir auch bei ande­ren The­men allei­ne da, schaf­fen es in unse­rer hek­ti­schen und reiz­über­flu­te­ten Zeit nicht, uns auf die wich­ti­gen Din­ge zu fokus­sie­ren. Es ist auch eine Sache der Moral — der Moral in dem Sin­ne, dass man sich zu schnell demo­ra­li­sie­ren lässt. „Das bringt ja eh nichts!“, damit bekommt die eige­ne Taten­lo­sig­keit eine Recht­fer­ti­gung.

Und die IgB?

Ist das nun tat­säch­lich so frus­trie­rend, wie es sich liest? Bes­ser nichts machen, es wird sich ver­mut­lich sowie­so nicht loh­nen? Ist das der rich­ti­ge Weg, die rich­ti­ge Den­ke?

Kann man es allei­ne errei­chen, dass bei Ande­ren der Roll­la­den hoch­geht?

Nun, wir müs­sen uns vor allem klar machen, dass wir nicht alles, nicht alles auf ein­mal und vor allem nicht alles allei­ne machen kön­nen. Wir brau­chen Mit­strei­te­rin­nen und Mit­strei­ter.

Die­se Ein­sicht führt dazu, wie­der auf die IgB zurück­zu­kom­men. Der Ver­ein könn­te eine Orga­ni­sa­ti­on sein, die hier­bei eine Vor­rei­ter­rol­le ein­nimmt. Ihre bun­des­wei­te Ver­brei­tung und Grös­se (knapp 6.000 Mit­glie­der) lässt sie dafür prä­de­sti­niert erschei­nen. Es gibt nichts Ver­gleich­ba­res auf die­sem Gebiet in unse­rem Land.

Lernen von Anderen

Noch eine Bin­sen­weis­heit: Eine bestehen­de Struk­tur zu nut­zen ist immer sehr viel ein­fa­cher, als eine neue auf­zu­bau­en. Die­se Erkennt­nis zugrun­de gelegt, liegt da nicht der Schluss nahe: Wir müs­sen unse­re Zie­le, unse­re Prä­senz und unse­re Tätig­keit bes­ser an poten­ti­el­le Unter­stüt­zer ver­mit­teln. Den­ken wir an den ADAC (mag mag den Ver­ein mögen oder nicht, das ist hier uner­heb­lich): Allei­ne auf­grund sei­ner Grös­se und sei­ner prä­sen­ten Wer­bung ist er die Wahl für vie­le Men­schen, die mit einem alten Auto durch die Gegend fah­ren. Und der Club kann sogar übels­te Skan­da­le ohne nen­nens­wer­ten Mit­glie­der­schwund ver­kraf­ten, so gut ist er eta­bliert!

Nun soll­ten und wer­den wir es natür­lich nicht hal­ten wie der ADAC in Sachen Moge­lei. Wir soll­ten aber erken­nen, dass die­ser Ver­ein etwas geschafft hat, das erwäh­nens­wert ist. Unab­hän­gig davon, dass das The­ma „Auto“ offen­bar für vie­le sexy ist und die Ziel­grup­pe breit in unse­rer Gesell­schaft gestreut — der Auto­club hat hand­werk­lich eini­ges drauf. Die Wer­bung für das Anlie­gen, die Vor­tei­le für die Mit­glie­der, die Ange­bo­te im Umfeld des eigent­li­chen The­mas, all das wird offen­sicht­lich so gut ver­kauft, dass zir­ka 19 Mil­lio­nen Men­schen in unse­rer Repu­blik dort Mit­glied sind.

Mehr als eine lautere Stimme

Um als IgB nicht nur eine eine lau­te­re, also eine auf­rich­ti­ge Stim­me, son­dern auch eine lau­te Stim­me zu haben, um mehr als nur eine klei­ne Grup­pe von Idea­lis­ten zu errei­chen, die sowie­so bereits auf unse­rer Sei­te sind, bedarf es zum Einen einer brei­te­ren und sicht­ba­re­ren Öffent­lich­keits­ar­beit. Wenn wir mehr Men­schen errei­chen wol­len, muss der Ver­ein gestärkt wer­den — in Grös­se und Struk­tur.

Dazu gehört es, dass wir über eine offen­si­ve­re Vor­ge­hens­wei­se nach­den­ken. Wir kön­nen sehr gut auf den weis­sen Berei­chen der IgB-Land­kar­te mehr Kon­takt­stel­len brau­chen — war­um, das habe ich oben aus­ge­führt. Wenn wir die Ver­brei­tung der IgB aber dem Zufall über­las­sen, dann ver­pas­sen wir sehen­den Auges eine Chan­ce.

Was tun?

Es gibt meh­re­re Bereich, in denen wir anset­zen müs­sen.

Zum Aus­bau der Kon­takt­stel­len soll­te es ein defi­nier­tes Ver­fah­ren geben und nicht jede Kon­takt­stel­le soll­te das Rad neu erfin­den müs­sen — sprich: Die Kon­takt­stel­len soll­ten Hand­werks­zeug zur Ver­fü­gung haben und ihm nicht hin­ter­her­lau­fen müs­sen. Dazu gehört übri­gens auch der immer wie­der ange­reg­te Pool an Infor­ma­tio­nen und Pres­se­mit­tei­lun­gen, aus dem sich die Kon­takt­stel­len ohne viel Auf­wand bedie­nen kön­nen.

Wich­tig ist aber natür­lich auch der inne­re Zusam­men­halt im Ver­ein. Hier­zu sind die Tref­fen im Früh­jahr und Herbst sehr wich­ti­ge Angel­punk­te. Es ist für den Ver­ein des­halb wich­tig, dass die­se Tref­fen nicht nur gut besucht wer­den, son­dern dass dort auch die Ent­wick­lung der IgB dis­ku­tiert und vor­an getrie­ben wird.

Dazu müs­sen aller­dings auch die Rah­men­be­din­gun­gen der IgB-Tref­fen stim­men: Wie bereits beim letz­ten Tref­fen in Rhe­da-Wie­den­brück begon­nen, soll­ten kei­ne zeit­fres­sen­den und lang­at­mi­gen Vor­stel­lungs­run­den domi­nie­ren, son­dern es soll­ten kon­kre­te inhalt­li­che Arbeit, Spass und die Mög­lich­keit zum Ken­nen­ler­nen abseits des Pro­gramms im Vor­der­grund ste­hen. Es ist gut zu sehen, dass dar­an gear­bei­tet wird.

Eine noch bes­se­re Betei­li­gung an den Tref­fen im Früh­jahr und Herbst — sowohl von Kon­takt­stel­len­ver­tre­tern als auch von ein­fa­chen Mit­glie­dern — kann unse­rer Sache nur nut­zen. Also: Vom 28. bis 30. April 2017 fin­det das Früh­jahrs­tref­fen im Ober­pfäl­zer Frei­land­mu­se­um in Neu­s­ath-Per­schen statt.

Wer ist dabei?

Frank Jer­mann